Freitag, 20. Februar 2009

Die Verhöhner

Opel schon kaputt oder vielleicht doch nicht. Bei Audi steigen sie ebenfalls langsam vom hohen Rösslein runter. Und jetzt auch noch, igittigitt und Schockschwerenot, Bilanzfälschung oder sowas in der Art bei den größenwahnsinnigen Halbkönnern von der HRE? Dazu ein christsoziales Junkerbübchen, dem sein Wirtschaftsminister-Faschingskostüm offenbar so arg die Durchblutung im Gehirn abschnürt, dass ihm nicht einmal seine Mitarbeiter von seiner dämlichen Herbstaufschwung-Büttenrede abhalten können, während um ihn herum das Land in den okönomischen Orkus geht.

Also echt, so langsam wird selbst mir, der ich ja in Sachen Unbillen des Lebens wahrlich nicht zimperlich bin, diese Krisenkrise etwas unheimlich. Wie schön, wenn es dann doch noch anrührende Momente gibt in dieser unappetitlich-gruseligen Szenerie. Wie schön, wenn es inmitten dieses garstigen System-Armageddon hie und da wenigstens noch ein klitzekleines bisserl menschelt.

Zugegeben, es riecht schon irgendwie komisch, wenn da im fränkischen Verwöhnten-Städtchen die Cashburnerin Schäffler jetzt auf einmal das Hungertüchlein zum Outfit-Must-have der Stunde hochstilisiert. Oder wenn man einfach mal ein paar Tausend von denen, die nach dem Untergang vielleicht tatsächlich nichts mehr zu fressen haben, in Geiselhaft nimmt und zum Betteln in die Fußgängerzonen vorschickt, wie das sonst nur irgendwelche balkanesischen Profigeldsammler mit ihren Kindern machen. Oder wenn man sich erst Krokodilstränen greinend vorne hinstellt und dann die gierigen Patschehändchen überm Haupte verschränkt wie weiland Gertie Schröder. So sieht also der unternehmerische Einsatz aus, zu dem jemand noch fähig ist, der sich gründlich verzockt und verhoben hat: die böseböse Arbeitsplatzkeule schwingen, Tausende von Menschen zum Solidaritätsjubeln antanzen lassen und vom Staat die Kohle wieder reinholen wollen, die man vorher mit beiden Händen rausgeschmissen hat. Zwanzigtausend müssen dort seit Anfang Februar übrigens bereits Kurzarbeit machen. Zwanzigtausendmal springt also hier der Staat, nach dem zu schreien die Frau Milliardärin ihre Leute zum Anschaffen auf die Straße getrieben hat, schon ein. Weil sie selbst den Hals nicht voll kriegen konnte. Weil sie gegen jedes bessere Wissen zum Angriffskrieg auf die Konkurrenz geblasen hat zu einer Zeit, in der man sehr wohl schon kapieren konnte, dass diese Aktion schief gegen musste.

Es ist schon sehr dreist, jetzt den finanziellen Schaden, den eine Privatunternehmerin angerichtet hat, an die Gesellschaft zu externalisieren. Schlichtweg unerträglich ist allerdings, dass man dazu auch noch diejenigen, die wirklich die Zeche zu bezahlen haben werden, als menschliche Schutzschilde missbraucht. Pfui Teufel! Und nach Herzogenaurach fährt nicht mal ein Zug, über den die Bildzeitung schreiben könnte.

Schlimm, das. Echt schlimm. Da ist es beinahe schon als medialer Glücksfall anzusehen in dieser grimmigen Zeit, dass zumindest auf die Arschlöcher dieser Republik verlass ist. Nehmen wir zum Beispiel einfach mal das CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder. Also nicht, dass ich hiermit behaupten möchte, Philipp Mißfelder sei ein Arschloch - darüber soll sich schließlich jeder selbst eine Meinung bilden. Aber von ihm geistert gerade eine hübsche Aussage durch die Blätter, die auch für die künftigen ALGII-Bezieher von Herzogenaurach interessant sein könnte. Die Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder sei nämlich, so der JU-Vorsitzende, ein "Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie." Lustigerweise hat er das auch noch im Rahmen eines Frühschoppens gesagt, wo die Kolleginnen und Kollegen aus der CDU sicher schon das eine oder andere Bierchen intus hatten.

Tja, und jetzt sind natürlich wieder alle furchtbar böse auf den armen Mann, und gewiss wird es nicht lange dauern, bis er sich wieder einmal für den diffamierenden Unrat entschuldigt, der ihm in so schöner Regelmäßigkeit aus dem Kopf tropft. Und die doofen Hartz-IV-Empfänger haben einmal mehr serviert bekommen, dass sie auch für ihre künftigen politischen Führer nichts anderes sind als faulenzender, saufender und zigarettenrauchender Ballast.

Und so endet eine grausige Woche dann doch wieder einmal mit der schönen Gewissheit, dass es außer dem baldigen Ende des Kapitalismus und anderen unschönen Schreckensmeldungen auch noch wirklich was gibt, über das man sich rechtschaffen aufregen kann.

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St. Burnster - 22. Feb, 20:23

solche texte offenbaren, was für ein rettungsloser optimist du doch bist. aus jeder zeile schreit der wunsch nach veränderung. ich hab für die hier zurecht vorgetragenen punkte leider nur noch ein müdes lächeln übrig. denn wenn der mensch sich nicht im privaten ändert, dann ändert sich die menschheit nicht. die neid- und völlergesellschaft mag sich im kapitalismus ein bisschen zu sehr verrannt haben, aber in welcher gesellschaftlichen ausprägung sie sich wiederfinden will, will ich mir gar nicht ausmalen. wenn der angesprochene privatmensch nicht aufhört sich ständig wie in einem wettrennen zu benehmen, wird er auf ewig solche fallhöhen wie wirtschaftskrisen und kriege produzieren. dann kann der opel weiterfahren oder eine ewige panne haben, das spielt alles gar keine rolle mehr. tschuldigung, dass ich jetz so pastorenmäßig abflitz hier, aber ich komm grad aus dem tropical islands, diesem erlebnisbad für hartz4-ossies in spe, da kann man schon mal leicht jenseitig werden.

rationalstürmer - 22. Feb, 22:04

... pastorenmäßig, na pfiatigott Burnstl, dir ham ja die Ossis beim Spaßbaden sogar noch den Protestantismus neigschwemmt!

Aber Spaß amal ganz beiseite: Dass mich einer des Optimistentums zeiht, wär an sich schon schlimm genug. Dassd aa no du des bist, stürzt mich dann aber wirklich in größte Selbstzweifel. Noch dazu, wo du zu allem Überdruss auch noch gar net soooo daneben liegst.

Wie du ohnehin und leider Recht hast. So lang a) die Leut nicht einmal merken wollen, dass die Abwrackprämie, in ein paar schicken Vollmantelgeschossen angelegt, tausendmal sinniger (und gesellschaftsfreundlicher) wäre, und so lang ich b) zum Beispiel meine Miete aus der der erfolgreichen Zielgruppenjagd bestreite, so lang ist deine Wettrennen-Theorie ebenso pastorenhaft wie wahr.

Was anderseits wieder die Essenz-Existenz-Sache aufwirft bzw. das unumstößliche Faktum, dass ich mir stets nur allzu ungern eine Gelegenheit zur Gnackfotzn entgehen lass. Aber was erzähl ich das einem Buddhisten ;-)

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