Samstag, 23. September 2006

Werbeunterbrechung: Da Binnzä

Da wead de Preissnleserschaft glei wieda recht schrein, weis nix vastengan. Drum machmas etz kurz. Binnzä, des is a Nam´. Oiso ein Name. Wobei, es is erschtns koa richtiger Nam´ net und zwoatns scho glei gar koa gewöhnlicher. Muaßa a net sei, wei der, der, dem der Nam gheat, des is a koa gewöhnlicher Kerl net.

Ich spreche von meinem Mitbewohner aus unbeschwerten Passauer Studientagen Vincent. Jajaja, liebe Leser, da geht’s doch gleich mittenrein in die Assoziationswelt, nicht wahr? Wir haben also Starry starry night im Ohr und sehen einen windumtosten Mont Ventoux in absinthbefohlenen Farben. Das klingt natürlich super. Wobei - mir wars ja seinerzeit tausendmal wichtiger, dass er mit dem Putzplan klarkommt. Und da muss ich selbst im Nachhinein noch sagen: Reschpekt! Während ich nämlich seinen Mitbewohnernachfolger (den Namen lass ich jetzt mal weg, der Mann hats mittlerweile in der Hedgefondsbranche zu etwas gebracht und würde mich sicher ohne Wimpernzucken von seinen Anwälten totmachen lassen) buchstäblich dazu treten musste, die Badewanne zu putzen („A Badewanne mussmer doch net butzn. A Badewanne macht si doch vo selber sauber.“ Sic!), war der Vincent ein 1a-Mitbewohner, der mit meinen (zugegeben ab und an etwas weibisch-xhantippischen) Vorstellungen von einer ordentlichen WG bestens klarkam. Aber ich hab nun einmal gern blank geputzte Armaturen.

Überdies war (und ich nehme mal an: ist) der Binnzä nicht nur ein sensationeller Koch, sondern dazu außerdem ein hervorragender Klarinettist. Einmal, das war zu irgendeinem Festerl bei uns, da hat er mit seinem Spezl Micha zusammen Ewigkeiten lang Landlermusi zum Besten gegeben, und man musste überhaupts kein Freund der Volksmusik sein, um angesichts dieser Darbietung geradezu vor Wonne zu zerfließen. Damit komme ich auch schon zu den Frauen: Denn, ihr Lieben: Spart euch jeglichen Gedanken an eine sofortige Kontaktaufnahme zwecks baldigem Kennenlernen, der Mann ist nämlich verheiratet. Aber ihr könnt ja aus der Ferne schmachten. Oder aber, und so langsam führt dieses Loblied zum eigentlichen Thema, ihr könnt ein Stück von ihm anschauen. Er, der immer schon den schönen Dingen zugetan war, ist nämlich Autor und Regisseur geworden. Und nun endet die Lobhudelei und beginnt eine ganz andere Wirklichkeit.

Maxhuette-1

Wenn man in Bayern groß geworden ist, dann kennt man die Maxhütte. Es würde jetzt zu weit führen, die Geschichte dieses letzten Stahlwerks im Freistaat nachzuerzählen, man kann das auch alles nachschlagen. Solange ich mich erinnern kann, ist bei uns daheim nicht nur über das Werk berichtet worden, es wurde auch darüber geredet. Viel geredet. Neuntausend Menschen haben dort einmal gearbeitet, dann viereinhalbtausend. Dann niemand mehr. Heute ist das totes Gelände. Unglaublich beeindruckend, selbst in seinem Verfall, aber tot. Und still.

Maxhuette-2

Ich hab auch mal VWL gehört. Ich weiß, wie das so ist mit Subventionen und all dem. Ich weiß auch, dass es nun mal ökonomisches Gesetz ist, dass eine Branche verschwindet und eine andere neu entsteht. Darum geht es gar nicht. Aber – und das soll niemand vergessen – die Laptopundlederhosenmärchen vom achsoerfolgreichen Bayern, mit der uns die Staatsregierung seit Jahren in einen braven Schlummer quatschen will, die locken keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor, wenn man nach Sulzbach-Rosenberg kommt. Sulzbach-Rosenberg ist der Ort, in dem die Maxhütte sich befindet.

Maxhuette-3

Vincent ist nach Sulzbach-Rosenberg gegangen, vor zwei Jahren. Er hat ehemalige Arbeiter des Stahlwerks getroffen und mit ihnen gesprochen. Beziehungsweise: Er hat ihnen zugehört. Er hat sich sagen lassen, wie das ist, wenn die Fabrik, in die man Tag für Tag und Jahr für Jahr zum Arbeiten gegangen ist, einfach nicht mehr existiert. Er hat sich sagen lassen, wie das ist, wenn es den Job, den schon der Vater und vor ihm der Großvater gemacht haben, einfach nicht mehr gibt. Er hat sich sagen lassen, was das ist, die Stille in der Fabrik, die entstanden ist aus der Schließung des Werks und der daraus folgenden Sprachlosigkeit der Menschen vor Ort. Und dann hat Vincent einen Text von René Passet genommen und ihn dem gegenüber gestellt, was er in der Maxhütte gehört hat. René Passet ist Mitbegründer von attac und eine der Stimmen, die man vernimmt, wenn man sich mal fragt, wie die Globalisierung eigentlich so läuft. Man muss diesem Mann nicht in allem Recht geben, aber er sieht hin. Das ist schon mehr, als viele von uns (mich eingeschlossen) den lieben langen Tag unternehmen.

Maxhuette-4

Entstanden ist daraus ein Stück, das den Menschen, die mittlerweile als Busfahrer, als Hilfsarbeiter oder schlicht und einfach als Arbeitslose ihr Leben weiterführen (müssen) noch einmal eine Stimme gibt. Die Stille in der Fabrik – so auch der Titel – wird noch einmal unterbrochen und wir bekommen gezeigt, wie das so ist auf einem Planeten, auf dem die Wirtschaft regiert.

Den erhobenen Zeigefinger überlässt Vincent Kraupner dabei anderen, auch wenn er mit dem immer wieder eingeblendeten Businessplaneten Biznopolis einen zusätzlichen Boden in sein Stück eingezogen hat, der bei aller ad absurdum geführten Shareholder-Mania neben dem Lachen, das man sich in manchen Szenen beinah verkneifen muss, ein sehr unangenehmes Frösteln verursacht.

Hingehen!

Und zwar nach München in die Pasinger Fabrik (August-Exter-Str. 1, 81245 München) 27. bis 30. 09. 2006, jew. 20:00 Uhr

Oder nach Regensburg in die Projekthalle 1 am Westhafen Regensburg (Budapester Str. 15, 93055 Regenburg): 13./14./15.10 (18:00 Uhr), 18./ 22.10, (18:00 Uhr), 24.10. (20:00 Uhr)

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bittersweet choc - 24. Sep, 22:09

Da wead de Preissnleserschaft glei wieda recht schrein, weis nix vastengan da traut sich die preissnleserschaft fast schon nicht mehr zu kommentieren bei so einer freundlchen ansprache. ich machs mal trotzdem.

traurig ist, dass die situationen, die das stück beschreibt, mittlerweile im sekundentakt eintreten, weil hedgefondstypen wie dein mitbewohner rund um die uhr höchst schmutzig dafür sorgen, dass mitarbeitern von gesunden und munteren branchen (siehe beispiel grohe) dieses schicksal ungleich schneller ereilt - beinahe im sekundentakt - als das sehr langsame aussterben der grossen dinosaurier den alten industrie.

ich würde ja gerne hingehen, ich bin allerdings erst anfang november in franken und damit augenscheinlich zu spät. sehr schade.

danke für die "Laptopundlederhosenmärchen", starry starry night und den ventoux - sehr schön.

rationalstürmer - 24. Sep, 23:04

Hab ich auch schon befürchtet, Bittersüße, dass ich einfach zu nett war und sich deswegen keiner was zu sagen traut. Danke, dass du dich der Sache angenommen hast.

Über Grohe kenn ich jetzt nur nen Artikel aus der Zeit, den ich mir in aller Schnelle ergoogelt hab (ich les die ja nicht, weil Markus Kavka da ne Kolumne hat) und kann dazu nicht viel sagen. Dafür hab ich gestern Ulf Poschardts (zu dem Mann fallen einem ja schon gar nicht mehr die passenden Schimpfworte ein) Neoliberalengewäsch Diskussionsbeiträge im Rahmen des Forums Pariser Platz gehört und verstehe ganz genau, was du meinst. Ja, das ist tatsächlich alles mehr als traurig.

Die Münchner und die Oberpfälzer werdens dir übrigens hoch anrechnen, dass du sie (wie sich das ja auch gehört) dem fränkischen Hoheitsgebiet zugerechnet hast. Und hab ich da richtig gelesen? Du bist Anfang November da? Dann ergeht hiermit schon mal die Einladung auf ein Gläschen Limonade. Tsss, sagt die das einfach so im Nebensatz...
St. Burnster - 25. Sep, 00:25

"Die Münchner und die Oberpfälzer werdens dir übrigens hoch anrechnen, dass du sie (wie sich das ja auch gehört) dem fränkischen Hoheitsgebiet zugerechnet hast."

ÄHEM!

Als Ex-Regensburger und Ex-Münchner noch einmal ein deutliches:

ÄHEM!
bittersweet choc - 25. Sep, 00:46

@rationalstürmer
gern geschehen.

beim thema grohe sträuben sich mir die blonden haare. ein völlig gesundes unternehmen (weltmarktführer) wird durch burschen verzockt und verscherbelt und die bundesrepublik finanziert das spässchen einmal, in dem es diesen finanzgauklern aufgrund der mangelhaften steuergesetze keinen pfennig abnimmt und zum anderen hält er deren arbeitslosenopfer später über wasser. ich glaube, grohe ist das bilderbuchbeispiel für diese "heuschrecken" (ich will das wort gar nicht benutzen, dann muss ich an müntefering denken, an den denke ich nicht so gerne, schon gar nicht vor dem zubettgehen). hier mehr zur grohe-geschichte.

forum pariser platz: das nenne ich masochistisches unterhaltungsprogramm. warum tust dir das an? aber darüber habe ich mich ja schon mal gewundert.

es tut mir leid, dass ich alle beteiligten städte in einen fränkischen sack geworfen habe. ich hole die da auch wieder raus. versprochen.

zum nebensatz: deine einladung nehme ich an sehr gerne an, aber über die getränkeauswahl sollten wir noch einmal reden. einverstanden?

@burnie
verzeihung.
rationalstürmer - 25. Sep, 22:51

Sag, Burnse, wie meinst etz des mit dem ÄHEM?
Mir wills grad so gar nicht einleuchten.
rationalstürmer - 25. Sep, 22:56

Merci erst einmal, Bittersüße, für die Aufhellungsarbeit in Sachen Grohe. Und wär ich nicht so hundssteinmüde, ich würd ganz sicher noch was sagen zu Heuschreckerei in der von dir genannten causa, zum Schweinestaat sowieso, zum sogenannten Arbeitsminister Müntefering und zu den Finanzgauklern. Da haben einige Leute ihren Anspruch ganz oben auf der Todesliste mit sehr viel Nachdruck angemeldet.

Forum Pariser Platz: Gleicher Grund, warum ich auch Flori Silbereisen gucke, wenn sichs einrichten lässt. Ich bin so. Ich hab auch keine Ahnung, warum das so ist.

Und natürlich geht auch ein Tässchen Fencheltee, wenn dir das lieber ist. Gar kein Problem.
bittersweet choc - 25. Sep, 23:35

todesliste: einverstanden.

pariser platz und flori: okay, ich sag nichts mehr.

fencheltee: hui, was für ein cocktail, mir schwinden die sinne. atemberaubend beruhigend soll er sein, der fencheltee, nicht war? vielleicht sollte ich mich doch lieber für den schonungslosen limonadenrausch entscheiden. erscheint mir prickelnder. ich schlaf nochmal drüber.
neo-bazi - 24. Sep, 22:19

Also an mir als Kommentarbremse kanns diesmal nicht liegen, ich hab extra 24 Stunden gewartet. An dir auch nicht, eher am Wetter.

Schön, daß sich dein Kumpel jetzt um das Industriedenkmal kümmert, Bayern hatte da bisher ja einen gewissen Nachholbedarf (an beidem, Industriedenkmäler und Kümmerer).

Noch interessanter finde ich allerdings, was und wie du aus deiner WG-Zeit berichtest, ich seh die beiden fast vor mir.

Eine Empfehlung übriges, der ich sofort folgen würde, wenns nur nicht so weit wär.

rationalstürmer - 24. Sep, 23:13

Genau, Edi. Wenn ich nicht zu freundlich war, dann musses am Wetter liegen. Kann ja gar nicht anders sein.

Dem anderen WG-Genossen will ich übrigens nicht zu sehr unrecht tun. Der war, mal davon abgesehen, dass er halt schon als Student echt ein prima Arschloch-Consulter-Material abgab, wirklich ein netter Kerl und eigentlich so gar nicht, wie man sich diese Bande vorstellt. Außerdem hat er immer einen sauleckeren Pressack und den selbstgeimkerten Honig seines Vaters von daheim mitgebracht.

Apropos weit: Schad, dir würd das Stück bestimmt gefallen. Aber es sieht ganz so aus, als würde ich in nicht all zu ferner Zukunft eine ganz bestimmte Reise unternehmen... Mehr sog i net.
St. Burnster - 25. Sep, 00:28

Ich hab nichts übrig für Sozialkritik, aber ich bin froh, dass net alle so sind wie ich. Ich bin mehr so emotionskritisch.

Nichtsdestotrotzkopf ein gut aufgemachter Promotext mit starken Bildern.

kid37 - 25. Sep, 13:15

Ulf P. geht seit seinem Debakel bei der SZ einen einsamen Weg. Bei Spon gibt es heute übrigens ein ganz interessantes Interview mit dem Porsche-Chef zum Thema kaputtschlagen.

bittersweet choc - 25. Sep, 13:28

herr wiedeking ist der einzige, der seit langem unaufhörlich das richtige sagt und augenscheinlich auch tut.
rationalstürmer - 25. Sep, 23:00

Oh ja, Herr Kid, das ist wohl wahr. Ich nehme an, er hat es bis heute nicht verkraften können, dass er sich die Interviews damals nicht selber ausgedacht hat, sondern nur drauf reingefallen ist.

Danke auch für den Hinweis auf Spon. Da werden sicher jetzt erst recht die einen oder anderen Vorstände im Lande schon mit speichelnassen Lefzen auf den Absturz von Herrn Wiedeking warten.

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Die Frage nach dem Sein.

Du bist nicht angemeldet.

Die Beobachtungskamera.

Bist äigschloufm oda...
Bist äigschloufm oda wos? Iwarawal homa in easchdn...
fuxbeck - 1. Jun, 18:33
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Nur zu. Immer her mit den Kommentaren - selbst wenns...
rationalstürmer - 2. Mär, 21:43
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Das mit der Glaubwürdigkeit ist ja eh so eine Sache....
rationalstürmer - 2. Mär, 21:41
Ich hab einen Magen-Darm-Dings,...
Ich hab einen Magen-Darm-Dings, da ist mir ein bisserl...
rationalstürmer - 2. Mär, 21:38
Hahaha, Herr Passenger...
Hahaha, Herr Passenger ... das mit den eigenen Überzeugungen...
rationalstürmer - 2. Mär, 21:36
ja du lieber mein vater
In meiner Erregung sehe ich mich veranlasst, hier -...
Pecas - 2. Mär, 20:47
Das Interview interschien...
Das Interview interschien ja wohl zeitgleich mit der...
stilhäschen - 2. Mär, 20:12
Ach, jetzt bist du plötzlich...
Ach, jetzt bist du plötzlich wieder hier. Da kennt...
St. Burnster - 2. Mär, 20:00
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Pecas - 2. Mär, 07:36
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Fellow Passenger - 2. Mär, 01:48

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