Zombie Ration

Donnerstag, 15. Mai 2008

... und selbst?

Erledicht
Rationalstürmer im Zeitrafferverfall. Augenringe, talgige Visage und Lippenbalken-Imitat auf Fotopapier mit Credo in Stilhäschen™-Farbe.
2008. In Privatbesitz.


Tja, Altwerden ist eine Zumutung, hab ich den Loriot mal sagen gelesen. Jetzt will ich nicht so weit gehen zu behaupten, dass der Mann ja überhaupt keine Ahnung hat von dem, was er da sagt, weil in Wirklichkeit - und da wiederum kommt Karl Valentin ins Spiel - ist es ja schon viel schlimmer als wie wir immer gehofft haben, dass es nie wird.

Aber nachdem sich andernorts die Kollegen ja entweder schon zum Haareschneiden ins Spital begeben respektive ihren Niedergang im schneidigen Spiderman-Pyjama öffentlichkeitswirksam in Szene setzen, darf ganz sicher auch hier einen Augenblick lang Gelegenheit sein, und der zynischen Eigenverwüstung der gebührende Platz eingeräumt werden.

Und das wars auch schon wieder. Danke für die Ideen, und Aufwiederschaun.

Montag, 14. April 2008

Es hilft ja auch nichts. Schließlich liegen die Zusammenhänge ja auch nicht einfach auf der Straße herum.



Es ist die Zeit der großen Erkenntnisse, die niemand hören will und die noch wenigeren zu wirklicher Erkenntnis verhilft.

Eine Woche besteht aus Kalenderblättern und grauen Haaren. Wie ein Monat aussieht, will man schon gar nicht wissen. Letzten Endes schmeckt auch Geld wie Scheiße. Zumal, wenn es länger liegt. Und Zeit erst recht.

Und während man sich noch fragt, wie blöd Cherno Jobatey eigentlich noch kichern kann und dem Merkelferkel zur Überraschung aller urplötzlich Brüste gewachsen sind, wird Alice Schwarzer mehr und mehr zum späten Helmut Kohl einer durch und durch gescheiterten Frauenbewegung.

Freitag, 18. Januar 2008

Rationalstürmer goes Boulevard

www.flocke-vergiften.de wär noch frei, www.scheissbaer.de hingegen nicht.

Freitag, 31. August 2007

Huift ja nix


Oamoi mog i nimmer und hea auf für immer. Oba heit ned.

Donnerstag, 23. August 2007

Beste Zeit

Keine Bilder mehr. Jetzt bitte endlich keine Bilder mehr. Lieber eine Antwort auf die Frage, warum die Geschichten sich im Kopf immer so viel besser anhören. Und wenn wir schon dabei sind - bitte auch gleich eine darauf, warum ich trotzdem jedes Mal von Neuem darauf einsteigen muss. Ich will nicht sagen darauf hereinfallen. Aber den Grund dafür werde ich nicht verraten. Wahrscheinlich gibt es ohnehin keinen mehr. Wer braucht heute noch Gründe für irgendwas.

Wie das Jahr sich doch wieder beeilt dieses Jahr. Als könnte es gar nicht schnell genug endlich in sein Grab rauschen, mit viel Böllerschüssen und Korkengeplopp. Wäre ich so ein Jahr, also ich ließe mir Zeit, bevor ich mir all die lächerlichen Resolutionen anhören möchte, die da an meinem Grab gesprochen würden, und all die jetzt schon schal schmeckenden Küsse, die sich die Noch-bis-über-beide-Ohren-Verliebten da mit glänzenden Augen auf ihre Fettstiftlippen schmatzen, draußen und hoch droben, auf irgendwelchen Balkonen. Und ließe es sich doch nicht vermeiden, ich würde mich wohl unbemerkt mit ans Geländer stellen und laut sagen Jetzt musst du springen. Und wäre ganz sicher der Einzige, der seinen Neujahrsvorsatz hielte.

Aber noch sind wir ja nicht so weit. Gerade mal sind die Abende dazu übergegangen, die Dämmerung anzutreiben, immer schneller, immer schneller. So steige ich die Treppen aus dem Ubahnschacht hoch und erschrecke ein bisschen. So früh schon dunkel. Kaum, dass ich den Weg von einem Schreibtisch zum anderen zurückgelegt habe, um mir mein Augenlicht gänzlich und mit Gewalt zu ruinieren, haben die Tage schon beschlossen, kürzer zu werden. Beste Zeit knallt mir da die Fastschonnacht in großen blauen Lettern auf hell erleuchtetem weißen Grund zur Begrüßung entgegen. Rosenmüller, dieser am schlimmen Filmdurchfall noch immer nicht vollends dehydriert eingegangene Dauerarbeiter. Dieses große Talent. Dieses oberbayerische Sonnenscheinchen. Ich glaube ihm nicht und gehe einfach vorbei. Es riecht nach Popcorn, nach süßem Popcorn. Und warum riecht man eigentlich kein salziges? frage ich mich und fasse in die Hosentasche. Zum Glück kein Zettel drin. Zum Glück nicht der nächste blöde Superlativ. Nur mein Schlüssel.

Im Erdgeschoss keine Post. Im dritten Stock ein leerer Anrufbeantworter. Heute haben sie es anscheinend gut mit mir gemeint und mich einfach in Ruhe gelassen. Und niemand, bei dem ich mich dafür auch noch bedanken müsste. Wie schön. Wenn Rosenmüller nun doch recht hat? Immerhin - ich bin bescheiden geworden mit der Zeit. Viel fehlt nicht mehr, und so etwas reichte mir schon. Warten wir, was die kommenden Monate bringen. Vielleicht schaffen sie´s noch. Oder ich.

Fabrikbrötchen und ein scharfes Messer. Natürlich Brötchen, du brauchst gar nicht erst die Nase zu rümpfen. In keiner Sekunde hatte je jemand im Sinn, dieses Zeug eine Semmel zu nennen. Frischkäse, der seit knapp einer Woche offen ist. Ob auch nur ein Mensch daran gedacht hat, wie bescheuert sich das anhört, wenn man nur ein kleines bisschen Lust am Sophismus hat? Zum Morphem, dem Tyrannen schlich... ach, was solls. Dann schon lieber eine Tomate dazu, eins dieser Gewächshausdinger, über das die freien Radikale sich totlachen müssen, und ein Schlückchen Olivenöl vorneweg, denn irgendwie gehts doch nicht ohne ein wenig gesundes Leben.

Ich bin müde. In der Tasche warten noch ein paar, die auch betrogen werden wollen. Ich lasse sie vorerst in dem Glauben, heute noch einmal davonzukommen. Mittlerweile habe ich großen Gefallen daran gefunden, sie aus dem Schlaf schrecken und mich dann erst an ihnen zu vergehen. Ich glaube, es sind die vor Entsetzen weit geöffneten Augen und die niedlichen schwarzen Pünktchen ihrer Pupillen, wenn ich ihnen die Schreibtischlampe in Gestapo-Manier ins Gesicht halte, die es mir angetan haben.

Eines Tages werde ich dafür bezahlen, das ist mir schon klar. Aber noch halte ich mich auf den Beinen. Obwohl es längst angefangen hat und die ersten kleinen Gläubiger schon keinen Spaß mehr verstehen. Sie wuchern in mir, überall neuerdings, und manchmal wüten sie schon. Wir werden sehen, wer wen ins Grab reißt.

Donnerstag, 9. August 2007

L'enfer, encore une fois. Und Obacht, explicite lyrics.


Schlachtensee

Ich sags gleich vorneweg: Wie ich mir beinahe alles, was ich so verzapfe, ruchlos und dreist zusammenklaue, so bin ich auch auf die folgenden Zeilen natürlich nicht aus eigener intellektueller Leistung gekommen. Ich habe den Gedanken dazu gestohlen. Gestohlen, wie ich alles einfach stehle, weil ich es eben einmal so will. Weil es mir so gefällt. Ich tue das aus dem selben Grund, aus dem ich auch lüge. Und zwar ganz ausgeprochen hemmungslos. Übrigens bin ich der Meinung, das jeder viel mehr lügen sollte. Tun eh alle, aber ich meine, noch mehr. Noch viel viel mehr.

Für einen klitzekleinen Augenblick will ich jetzt aber nicht lügen und charmanterweise behaupten, es wäre nichts als Inspiration gewesen, zu der mir - wieder einmal - der anscheinend doch irgendwie seelenverwandte Mitbayer Burnstl verholfen hat, aber soviel Chuzpe am späten Abend, das ist dann doch nichts mehr, wozu ich in meinem derzeitigen Zustand noch fähig wäre. Also kapriziere ich mich dies eine kleine Keinmal-Einmal auf die Wahrheit und sage: Geklaut. Weggenommen. Im Vorbeigehen.

Ich werde wieder hinfahren. Wer es schafft, sich diesen Laden einigermaßen regelmäßig anzusehen, wird sich vielleicht erinnern: Beim letzten Mal hat sie mich fast umgebracht. Ehrlich gesagt habe ich längst noch nicht alles verdaut, was diese Stadt mir angetan hat, aber ich bin bereit, zurückzukehren. Dabei mag ich sie tatsächlich nicht besonders. Und damit beschönige ich die Wirklichkeit so sehr, dass ich mich diesmal fast schämen müsste, hätte ich nur ein bisschen Rückrat oder so etwas wie Prinzipien. Ihr großes und unverschämtes Maul, ihre nervenaufreibende und lästige Herumzickerei, ihre ungerechtfertigte und himmelschreiende Arroganz, ihre ständige Selbstbeweihräucherung, ihre ungeheuerliche Dreistigkeit, ihr andauerndes Herumnölen, ihre elsternhafte Gier nach allem, was glänzt und die verlogene Retusche ihrer verdreckten Seelenwinkel - alles das stößt mich ab, widert mich an. Und lässt mir doch keine Ruhe.

Es ist beinahe so, wie der Kollege es beschrieben hat: In ihr finde ich die Drecksau, die ich anscheinend brauche. Insofern ist es nur logisch, mich wieder zu ihr aufzumachen. Einmal schlafen noch. Schon die nächste Nacht werde ich in ihrem Lotterbett verbringen, auf all den Kaffee-, Rotwein-, Brand- und Spermaflecken. Und es wird mich einen feuchten Kehricht scheren, wen sie vor mir schon alles darin gefickt hat, solange sie nur mich auch fickt. Und ich weiß, dass sie es tun wird, dass sie schon jetzt es kaum noch erwarten kann, bis der billig zusammengenietete Kasten aus Blech und Kerosin und schlechten Sitzen und noch schlechterem Kaffee mich auf ihren Asphalt spucken wird. Und die Tatsache, dass ich das weiß, wird mich diesmal nicht nur überleben lassen. Nein, diesmal gehe ich erst, wenn ihre gierigen Löcher vollends gestopft sind. Alle.

Diese eine Nacht wird sie noch alleine in ihrem Bett liegen und sich vor Wollust und feuchter Erwartung nur ein paar Finger zwischen die Beine schieben. Oder eine der vielen leeren Flaschen, die überall in ihrer Wohnung verteilt herumliegen. Aber morgen, morgen wird sie da stehen und auf mich warten, kein Höschen an und mit einer Hand ungeduldig an ihren strähnigen Haaren herumnesteln, so wie ich auf meinen Koffer warten werde, der jetzt schon fertig gepackt hier steht. Mit nichts drin außer einer Zahnbürste, fünf Päckchen Zigaretten und zwei schwarzen Tüchern vom Flohmarkt.

Dann wird sie mich ins Taxi zerren und von da aus in den Aufzug. Und noch bevor die erste gemeinsame Zigarette geraucht und das erste eiskalte Bier leergetrunken ist, wird sie meine Hände nehmen, eine auf ihre festen kleinen Titten legen, die andere unter das Kleid schieben, dieses unverschämte Kleid, mit dem sie mich beim letzten Mal schon verrückt gemacht hat, und mir sagen, dass sie nicht übel Lust hätte, jetzt mit mir zu ficken.

Ich werde einen letzten Blick auf die lächerlichen Türmchen des Tempodroms werfen und eine Verwünschung - für was auch immer - in Richtung Schwitzekanzlerinnenamt schicken, und ihr einfach folgen ins Dunkel ihrer Wohnung. Und ich werde nicht darüber nachdenken, was ich da tue. Ich werde auch nicht grübeln ob mein Schwanz jetzt zu klein für sie ist oder nicht, oder ob das am Ende tatsächlich die einzige Liebe ist, zu der ich fähig bin.

Ich will es auch nicht wissen. Ich will kein Glück und ich will kein Idyll. Ich glaube, ich bräuchte nicht mal ein Lächeln. Diesmal nicht. Diesmal locken mich keine schönen Augen, keine falschen Träume und keine leeren Versprechungen. Diesmal, Berlin, diesmal reicht es, wenn du einfach die Beine breit machst.

Freitag, 27. Juli 2007

Also gut.

Wobei, das ist natürlich schon ein gewaltiges Stück Arbeit, so aus dem Stand. Und wo meine Freundschaft zu Buchstaben und Sätzen echt ein ganz schön großes bisschen zerrüttet ist.

Andererseits - zerrüttet - wo hätte man das heutzutage nicht? Die besten Ehen funktionieren auf diese Art. Oder besser, sie tun´s natürlich nicht. Aber es merkt keine Sau. "Was?? Ihr??? Also, das hätten wir nieeee gedacht! Ihr wart doch für uns immer das perfekte Glück." Im Prosiebenfernsehn hat die Trailerschlampe im Ankündiger für die neue Serie neulich gemeint "Wie man eine Ehekrise beendet? Am besten, in dem man die Ehe gleich mit beendet."

Tja. Wäre jetzt mal eine echt tragweitige Analogie, wenn man den Satz auch auf das Thema Lebenskrise übertragen würde. Am besten das Leben gleich mit beendet. Puffpuff, patschpeng, und schwuppdiwupp könnt einen die Krise am Arsch lecken, und man müsst nicht einmal Mozartkugeln dazu scheißen.

Geht natürlich nicht. Unmöglich, no way. Am Mut fehlts nicht, ganz gewiss. Aber die Leute, was solln nur die Leute sagen. Und die Gläubiger erst. Na die täten sich bedanken. Respektive die Bürgen. Beziehungsweise täten einem die wahrscheinlich in der Aussegnugshalle noch einen Spitz mitgeben, dass man, am Fegefeuer vorbei, direktemang ins höllische Hochöferl fliegen würde. Und natürlich ohne großbusige Stewardess, die einem noch das Kopfkisserl zurechtzupft. Da gäbs dann ganz schnell zu klären, was denn nun eigentlich der Unterschied ist zwischen Erdrosseln und Erwürgen.

Isja auch egal. Isjanichsowichtich. Isjawiedernursonegeschichte. Und irgendwoher müssen die doch schließlich auch kommen. Oder glaubt ernsthaft jemand, der alte Goethe hätte den armen Werther nur deswegen mit über der rechten Augenbraue ins Köpfchen getriebenem Bleikügerl sein Leben aushauchen lassen, weils halt der Sturm und der Drang grad so verlangt haben? Mitnichten! Der Schmierfink hatte halt in seinem eigenen richtigen Leben auch ein Charlottchen, dem er das prallgeschwollene Gemächt gern regelmäßiger bis an die Gebärmutter hochgeschubbert hätte, ist doch klar. Aber klug, wie er war, hat er lieber ein Büchlein draus gemacht, das blauberockte Büblein am gebrochenen Herzen verrecken lassen und sich mit seinen immer neuen alten Leiden einen Geheimratstitel erschlichen. Jawohl, erschlichen, die Sau!

Und überhaupt, wer wär ich denn, dass ich vor Befindlichkeiten die Nase rümpfen würde, noch dazu vor meinen eigenen. Jaja, schaut nur alle her und nehmt euch ein Stückchen für den Heimweg mit! Mir doch egal. Da, wo meine Scheiße herkommt, da hab ich noch so viel, da könnt ihr noch Jahre lang eure "Achgottchen" und "Oooch nee" und "Jesusmaria!" rausstammeln.

Das Dumme ist nur, also das wirklich Saudumme ist nur: Ich habs nie verlangt. Ich hab mich nicht vorgedrängelt. Und ich hab schon erst recht nicht "Hier!" geschrien. Ein kleines bisschen Glück, auch wenn das jetzt elend nach Scarlet O´Hara - oder wie dieser Mädchenmärchendreck auch immer heißen mag - klingt, ein kleines bisschen Glück wär schon nicht schlecht. Ab und zu, meine ich. Weil ich werde ja auch nicht jünger.

Ach so, PS: Nein, hier gehts nicht um Herzscheiße. Frauen wachsen ja nach.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Zitat, ungesichert.

Zwei völlig Entwurzelte, die sich getroffen hatten und sich mochten und zusammen standen wie zwei frierende Tiere.

(Wenn ich mich nicht ganz irre, dann ist das Grete Weil-Jockisch über Erika und Klaus Mann in: Die Manns, Ein Jahrhundertroman. Fernsehgeschichte. Aber man kann derlei ja auf viele Leben applizieren.)

Dienstag, 15. Mai 2007

Danke, Lu

Dafür, dass ich mir die ersten vier Zeilen davon jetzt einfach mal so dreist klaue und für mich verwende. Und bittesehr nicht dafür abgemahnt werde.

Ich schick zur Wiedergutmachung auch irgendwann noch ein Hallo, wenns recht ist.

Donnerstag, 19. April 2007

Mein Herze schwimmt im Blut. Achter und letzter Gesang

Wie freudig ist mein Herz, da Gott versöhnet ist. Und mir auf Reu und Leid nicht mehr die Seligkeit noch auch sein Herz verschließt. (Johann Sebastian Bach, Mein Herze schwimmt im Blut. BWV 199. Aria).

Exitus

Exitus. Es ist vorbei. Und obschon ich nicht genau sagen kann, wie es sich anfühlt, so weiß ich doch, dass es geschehen ist. Etwas, von dessen Essenz ich zwar keine exakte Kenntnis habe, dessen Nicht-mehr-Dasein ich aber so durchdringend wahr und geradezu körperlich spüren kann, dass sich die so entstandene Lücke wie ein großes Loch anfühlt, das man in mich hineingeschnitten hat, hat mich verlassen. Ohne Ankündigung und ganz langsam, ganz allmählich ist es aus mir gewichen. Fast unmerklich zuerst, wie eine blässliche Vorahnung, wie das unbestimmte Gefühl von Halsschmerzen, das man nach langen Spaziergängen mit viel zu dünnen Kleidern an klirrend kalten Wintertagen hat, wenn man wieder nach Hause kommt. Wenn man ganz genau weiß, dass Schal und Mütze eben doch das Richtige gewesen wären. Das Gefühl, das meist nur ein paar Stunden hält und von den ersten Schlucken heißen Tees von den entzündungsbereiten Mandeln fortgespült wird und an dessen Vorhandensein man sich schon tags darauf nicht einmal mehr richtig erinnern kann.

Als mir zum allerersten Mal tatsächlich bewusst wurde und ich den Mut gefasst hatte, der Wahrheit ins Auge zu sehen und anzuerkennen, dass da etwas ungeheuerlich Wichtiges sich auf den Weg fort aus mir zu machen im Begriffe war, hatte ich längst alle Gewalt darüber verloren, diesen Prozess noch aufzuhalten. Obwohl ich anfangs kaum Schmerzen oder Leid deswegen spürte, hatte sich der bevorstehende und zu diesem Zeitpunkt bereits unabänderlich gewordene Verlust schon seinen Weg quer durch mich gebahnt wie eine dieser heimtückischen und gnadenlosen Arten von Krebs, die erst diagnostiziert werden, wenn auch den besten Spezialisten keine andere Behandlung als das Morphium und den Angehörigen nur noch der Abschied bleibt.

Und so entschied ich mich, diesen Abschied von mir selbst anzunehmen und den Verlustmetastasen hinterherzuspüren, die in mir zu wuchern begonnen hatten und sich immer mehr anfühlten wie ein aufgeschossener Blumenkohl, folgte einem Schatten gleich, der ich selbst bald sein würde, ihrem emsigen Zerstörungs- und Entleerungswerk, zu dessen Verrichtung mein Herz sie vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage die Woche durch jede Zelle meiner immer weniger werdenden Existenz pumpte. Ich ging nicht mehr aus dem Haus, ich sprach mit niemandem mehr, ich hörte auf zu schlafen, ich war nur noch da, nur um nicht einen einzigen Augenblick dieser Auflösung zu versäumen. Ich verbrachte Wochen und Monate mit mir selbst. Bis ich zu der ebenso faszinierenden wie erschreckenden Erkenntnis gelangte, dass ich selbst, ich ganz alleine, nicht nur dafür verantwortlich war, dass diese Essenz - von der ich nach wie vor nicht wusste, wer oder was sie nun genau sei - sich zuerst in mir auflöste und schließlich mit jedem Blatt, das ich vom Kalender abriss, ein bisschen mehr aus mir verschwand. Wie der Krebs die eigenen Zellen zu in ihrem Treiben ganz und gar wahnsinnigen und gewissenlosen Brudermördern macht, so war auch ich zu meinem eigenen Kain, zu meinem eigenen Geschwür geworden und hatte begonnen, mich komplett und ohne die geringste Chance auf Rettung, Heilung oder Umkehr zu ruinieren. Ich hatte begonnen, von innen heraus zu sterben, und während sich diese Gewissheit in mir verfestigte, hatte ich nichts anderes zu tun, als mir selbst dabei zuzusehen. Denn seltsamerweise war genau dieses gebannte Zusehen und völlig tatenlose Ausharren das Morphium, mit dem ich die Schmerzen betäuben konnte, die nach einiger Zeit eben doch eingesetzt hatten und wie toll durch meine Eingeweide rasten und auf meine Gelenke einprügelten. Je mehr ich mich und meinen Untergang betrachtete, je genauer ich hinsah, je willentlicher ich mein ganzes Bewusstsein dem Zwang zur bloßen Beobachtung unterwarf, desto weniger tat mir weh. Und eines Tages sah ich, dass es gleich vorbei sein würde, dass da soeben die letzten Reste von mir selbst aus mir liefen und glucksend durch den rostigen Abfluss meiner Seele rannen. Ich hatte es hinter mir.

Wenn ich mich jetzt umsehe, dann fallen mir die weißen Wände um mich herum auf und die Struktur der frisch gestrichenen Rauhfaser. Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich die Wohnung leergeräumt habe. Sicherlich wird auch jemand den schönen alten Tisch haben wollen, auf dem ich liege. Da ist zwar ein wenig Sehnsucht und Traurigkeit darüber in mir, dass meine Hand nun nicht mehr über die beinahe weiche Oberfläche streichen kann, die frisch gestrichenen Tapeten zueigen ist, und etwas von dem Geist, der ich jetzt bin, vermisst es, das warme Holz zu spüren, das unter mir ist. Aber es ist gut. Ich denke an ein Wort von Elisabeth Kübler-Ross, das ich vor nicht langer Zeit gelesen habe. "Eines weiß ich ganz bestimmt: Wir mögen nicht immer bekommen, was wir wollen. Aber wir bekommen immer das, was wir wirklich brauchen."

Etwas Besseres als den Tod hätte ich nicht finden können. Nicht in diesem Leben. Nicht in diesem Märchen.

[Den ersten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den zweiten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den dritten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den vierten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den fünften Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den sechsten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]
[Den siebenten Gesang von Mein Herze schwimmt im Blut gibt es hier.]

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Die Frage nach dem Sein.

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Die Beobachtungskamera.

geiler streifen, oberhammer!...
geiler streifen, oberhammer! aber ich geh ja immer...
schneck06 - 6. Jul, 13:06
Mitleid ist aus menschlicher...
Mitleid ist aus menschlicher Sicht zwar verständlich,...
rationalstürmer - 4. Jul, 13:05
wenn das der Ede wüßte... Ich...
wenn das der Ede wüßte... Ich denke nicht,...
stt - 4. Jul, 12:57
Danke für die Nachbereitung,...
Danke für die Nachbereitung, Hasi. Sehr aufmerksam,...
rationalstürmer - 4. Jul, 08:57
Aha, meine Liebe. Der...
Aha, meine Liebe. Der schöne Arsch sozusagen als...
rationalstürmer - 4. Jul, 08:53
Pfeilgrad, Herr Passenger....
Pfeilgrad, Herr Passenger. I moanat a, dass mia des...
rationalstürmer - 4. Jul, 08:47
... und das, wo mir doch...
... und das, wo mir doch in Bayern auch Indianer und...
rationalstürmer - 4. Jul, 08:45
Weia, das schockt mich...
Weia, das schockt mich jetzt aber. So gar nichts verstanden?...
stilhäschen - 3. Jul, 13:02
Am Besten einfach gar...
Am Besten einfach gar nicht ignorieren! Ausserdem...
momoseven - 3. Jul, 11:15
Jetz samma glei' scho...
Jetz samma glei' scho so frei, daß a no de Breißn...
Fellow Passenger - 3. Jul, 10:42

Die immer müßige Suche nach weiteren Wahrheiten

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Die Heirats- und anderen eindeutigen Anträge nach wie vor bitteschön an
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Das böse kleine Kleingedruckte.

Keine Zielgruppe

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Dass ich nicht lache.

Online seit 1118 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Jul, 13:06

Die Mitschuldigen an dieser garstigen Sammlung von nachgemachtem Ausgekotzten.

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