Donnerstag, 21. Dezember 2006

... gespielt auf Gräbern, Leichen. - Eine Art Entgegnung

Die bunten Bilder, die das Leben malt
Seh' ich umdüstert nur von Dämmerungen,
Wie kraus verzerrte Schatten, trüb und kalt,
Die kaum geboren schon der Tod bezwungen.

Und da von jedem Ding die Maske fiel,
Seh' ich nur Angst, Verzweiflung, Schmach und Seuchen,
Der Menschheit heldenloses Trauerspiel,
Ein schlechtes Stück, gespielt auf Gräbern, Leichen.

Mich ekelt dieses wüste Traumgesicht.
Doch will ein Machtgebot, daß ich verweile,
Ein Komödiant, der seine Rolle spricht,
Gezwungen, voll Verzweiflung - Langeweile!

(Georg Trakl, Confiteor)

eine-entgegnung

Spät kommst du, Gevatter. Du wirst es nicht glauben, doch habe ich deiner schon länger geharrt. Neinnein, welcher Sterbliche würde dir böse sein wollen wegen der paar Jährchen, armer Schnitter? Komm nur, nimm Platz und trink ein Glas mit mir vom guten Roten!

Ob ich mich amüsiert habe? Aber ja, auf das Trefflichste. Sieht man mir das nicht an? Schade, dass du nicht dabei gewesen, nein wirklich, ich lüg dich nicht an. Dir hätt das viele junge Fleisch schon auch gefallen, oh doch, in das man sich ergießen darf, solang einem die Weiber hold sind. Hach, herrlich! Ein Geschrei, das so ganz anders klingt als das jämmerliche Wehklagen derer, die du holst. Und sei ganz unbesorgt, du wirst derlei nicht von mir zu hören bekommen. Ich hab genug gelebt, ich hab geprasst, gelogen und gehurt, ich hab sie unglücklich gemacht, alle miteinander, ihnen die Tränenkanäle geöffnet nicht schlechter als die Schöße und bei meiner Seel - sie haben ihre Leiber gern hingehalten.

Gelacht, fragst du? Ja glaub ichs denn?! Seh ich so aus, als brächt ich niemanden zum Lachen? Dich werd ich gleich, par bleu! Geschrien! Geschrien haben sie vor Lachen! Sich die Bäuche gehalten und auf den Boden sich geschmissen. Dochdoch, es war nicht nur der Geschmack von Galle, den sie auf der Zunge hatten, wenn ich des Morgens mich davonschlich, die Hose halb geöffnet noch. Und jedesmal ein Lächeln auf den Lippen derer, die in den Laken liegenblieben. Ich hab mir nichts vorzuwerfen, das sag deinem Herrn.

Gewiss, es waren da schon dunkle Stunden. Doch sollt ich jetzt darüber heulen, wie die Waschweiber es tun? Es verwirkt doch ein jeder sein läppisches Leben so, wie ers will, nicht wahr? Das bisschen Fegefeuer, auf einer Arschbacke werd ichs absitzen. Und glaube mir, das ist ein zähes Leder. Mein Gepäck? Ich hab keins. Verschleudert all mein Hab und Gut, durchgebracht, bis auf den letzten Kreuzer. Es geht sich leichter so, verstehst du, und auch der Fährmann wird mir dankbar sein.

Noch einmal umdrehn? Ach, wozu. Was ich noch brauche und was ich sehen wollt im Leben, das trag ich in mir drin. Trink aus jetzt, und dann los, wir sind spät dran.

(Nach einer Idee von St.Burnster. Bild: Fatschenkindl aus Oberbayern)

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neo-bazi - 23. Dez, 04:57

Das mußte ja so kommen, du hattest es angekündigt. Das Fatschenkindl mußte ich tatsächlich googlen. Irgenwie habt ihr beide genial recht. Und dann auch wieder nicht. Auf jeden Fall ist man froh, wenn man so welche kennt..

Und dann liest man wie in einem Auftragswerk und fragt sich, wer oder was gibt ihnen den Auftrag?

rationalstürmer - 23. Dez, 08:16

Da gibts doch diesen alten Schwarzweiß-Mozart-Spielfilm. Da kommt der Tod zum Wolferl Amadé und bestellt ein Requiem.
neo-bazi - 24. Dez, 07:26

Ein bisserl solltest du schon aufpassen, bzw. dein literarisches Ich. Vor einem Jahr habe ich noch einen befreundeten Psychologen angerufen und gefragt, was mit dir los ist.

Er fragte zurück, wie alt du seist und meinte daraufhin seinerzeit, du habest einfach die Lust am Bloggen verloren, aber man könne nie genau voraussagen, wenn einer ohne Badehose vom Turm springen wolle.

Einfach gestrickt, wie ich bin, gilt für mich seither: die Grenze zwischen Hilferuf und Verarsche ist genauso fließend wie die zwischen Genie und Wahnsinn.

Wenn das Weggucken nur nicht so schwer fiele.
rationalstürmer - 25. Dez, 11:44

Natürlich Genie UND Wahnsinn, oida Bazi. Aber ich sag dann schon Bescheid, bevor ich mit dem schönen neuen Weihnachtsmesser die ersten Eigenperforationen vornehm. Noch muss man sich keine Sorgen machen.
neo-bazi - 25. Dez, 14:13

Ein Mann, ein Wort. ;-)

Als Kurierfahrer habe ich seinerzeit das halbe Allgäu durch die Gegend kutschiert, wie du weißt. Darunter war auch ein hochintelligenter Punk, gerade vom Gymnasium geflogen kurz vor dem Abi. Wir beide haben unseren Club eigentlich gegründet, von ihm stammt der Name Club der halbtoten Dichter.

Er wohnte in einem Nachbardorf. Eines nachts, ich hatte ihn gerade daheim abgeliefert, klingelte - kaum war ich zuhause - schon wieder das Telefon. Ob ich ihn nicht wieder nach Kempten zurückfahren könne, er wolle zu einem Kumpel. Da hatte ich eigentlich die Schnauze voll, aber irgendwas war da in seiner Stimme, sodaß ich tatsächlich nochmal losfuhr.

Er saß auf der Stufe vor dem Haus seiner Mutter. Gesprochen wurde nicht, er nannte nur den Namen seines Kumpels, den ich aus dem Hofgarten flüchtig kannte, ein halber Ganove, noch recht jung und mit einigem auf dem Kerbholz, aber in Ordnung. Auf dem Weg in die Stadt sah ich aus den Augenwinkeln, daß er mit der Rechten immer sein linkes Handgelenk hielt. Ich hielt an und schaltete die Innenbeleuchtung ein: alles voller Blut.

Er wollte nicht ins Krankenhaus, aber sein Kumpel wohnte direkt dahinter. Der Typ ließ uns auch sofort herein und versprach mir, sofort Hilfe zu holen, wenn es nötig würde. (Man hatte längs und nicht quer geschnippelt).

Also fuhr ich wieder heim und machte Beifahrersitz und Boden sauber.

Wie mir meine Freunde berichten, soll er sich mittlerweile der rechten Szene angenähert haben, was ich nicht glauben mag. Aber es ist schon seltsam, was in den menschlichen Oberstübchen manchmal so vorgeht.
St. Burnster - 26. Dez, 19:34

Ich frag mich manchmal, was sich wohl der Tod denkt, wenn wir uns so vergustieren mit ihm. Wahrscheinlich denkt er: "Wer zuletzt lacht.."

Frohe Weihnachten, mein liebster Endgegner, äh Entgegner!

rationalstürmer - 27. Dez, 00:59

Mei, dass mas mia hoid ned dawartn kennan, Burnse, sowas in dera Richtung wead a si aa no denkn, da Boandlkramer. Kannt ja aa aso sei.

Und Vageitsgott. Ham mas ja wiedaramoi gschafft. Etz bloß no ausnüchtan, dann deafats weidageh mit den ganzn Schmarrn.

.

Die Frage nach dem Sein.

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Bist äigschloufm oda wos? Iwarawal homa in easchdn...
fuxbeck - 1. Jun, 18:33
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rationalstürmer - 2. Mär, 21:43
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rationalstürmer - 2. Mär, 21:41
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Ich hab einen Magen-Darm-Dings, da ist mir ein bisserl...
rationalstürmer - 2. Mär, 21:38
Hahaha, Herr Passenger...
Hahaha, Herr Passenger ... das mit den eigenen Überzeugungen...
rationalstürmer - 2. Mär, 21:36
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In meiner Erregung sehe ich mich veranlasst, hier -...
Pecas - 2. Mär, 20:47
Das Interview interschien...
Das Interview interschien ja wohl zeitgleich mit der...
stilhäschen - 2. Mär, 20:12
Ach, jetzt bist du plötzlich...
Ach, jetzt bist du plötzlich wieder hier. Da kennt...
St. Burnster - 2. Mär, 20:00
Triebtäter
Forcierte Penisverlängerung (pro Demagogen-Verfassungsdisse rtations-Plagiatseite...
Pecas - 2. Mär, 07:36
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Fellow Passenger - 2. Mär, 01:48

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Zuletzt aktualisiert: 1. Jun, 18:33

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